Ulrike Kösterke

Ein Wort vorab
Dieses Interview hat nie stattgefunden – und doch hätte es so stattfinden können. Die Fragen sind erfunden, die Antworten nicht. Sie spiegeln meinen – sich ständig wandelnden Blick – auf Ecoprint und auf das, was mich daran beschäftigt. Stand: Juli 2026
Gibt es etwas, was dir am Ecoprint besonders gefällt?
Es gibt verschieden Dinge, die mir gefallen und das wechselt auch. Aber der Moment des Öffnen des Bündels ist immer besonders.
Die Bündel sind noch warm, das Papier ist feucht. Die Farben leuchten und scheinen manchmal fast auf dem Papier zu schweben – ätherisch, kaum greifbar. Dieser Moment hat mich von Anfang an berührt. Auch nach vielen Jahren verliere ich nicht die Neugier darauf, was zum Vorschein kommt.
Wie bist zum Ecoprint gekommen?
Eher zufällig. Ich habe einen Magister in Phonetik und war beruflich in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig.
Nebenher habe ich immer wieder kreative und gestalterische Techniken ausprobiert und bin dabei im Internet auf ein Video über Ecoprint gestoßen. Das war vor ca. 8 Jahren – aus der ersten Neugier wurde eine Faszination, die bis heute geblieben ist.
Anfangs war ich vor allem davon beeindruckt, dass aus Pflanzen und nur wenigen weiteren Materialien so besondere Bilder entstehen können. Der Naturbezug stand im Mittelpunkt, deshalb auch „Naturschönes wird Kunstschönes. Eine Hommage an Rose, Ginkgo, Farn & Co“ und der Name „Deva-Design“, der sich auf die Pflanzendevas bezieht.
Was fasziniert dich an den Drucken?
Man kann sie einfach als schöne Bilder betrachten. Sie verschönern Räume, wirken harmonisierend – davon bin ich wirklich überzeugt. Aber ich denke, über den dekorativen Aspekt hinaus, wollen sie ganz bewusst aufgesucht werden. Und das muss nicht unbedingt ein Bild an der Wand sein.
Ich habe zum Beispiel ein Büchlein, in dem ich Unikate in Postkartenformat sammle (Flora Minima habe ich sie genannt). Manchmal nehme ich es einfach zur Hand und verbringe eine Weile mit den Bildern.
Sie berühren mich auf eine Weise, die ich schwer beschreiben kann. Es hat etwas Melancholisches, aber auf eine angenehme Weise – die Bilder lassen mich still werden, es entsteht eine Form der Innnerlichkeit oder des Innewerdens.
Vor Kurzem ist mir der japanische Begriff Mono no aware begegnet: eine Empfindung angesichts der Vergänglichkeit der Dinge. Nicht als Erklärung, eher als Annäherung. Die Pflanzen sind vergänglich. Auch die Drucke verändern sich mit der Zeit. Vielleicht ist es dieses Wissen um Vergänglichkeit, dass mich berührt.
Ist das fertige Bild oder der Prozess wichtiger?
Zurzeit ist mir der Prozess wichtiger. Die Pflanzen bringen ihre Struktur, ihre Pigmente, ihre Eigenheit mit. Das Material und der Prozess bringen ihre eigenen Bedingungen mit. Und ich meine Offenheit, Erfahrung und Neugierde. Was entsteht, ist der Abdruck einer Begegnung – einmalig und nicht wiederholbar.
Ich finde es spannend, Ecoprint als Begegnung zu sehen. Das verändert nicht nur den Blick auf den Prozess, sondern auch auf das entstandene Bild.
An den Prozess gehe ich nicht sehr analytisch heran. Wie welche Beize wirkt, wie welche Pflanzen reagiert, lerne ich natürlich auf dem Weg und manchmal schaue ich auch genauer hin. Doch im Großen und Ganzen bleibt es ein Happening.
Findest du deine Bilder in bestimmten künstlerischen Positionen wieder?
Ich komme ja nicht von der Kunst und bin da auch nicht so bewandert. Aber manchal entdecke ich Berührungspunkte zu Arbeiten, in denen Prozess, Material, Spur oder Vergänglichkeit eine wichtige Rolle spielen. Oder auch der Naturbezug, der ja ganz vielfältig umgesetzt werden kann. Ich kann mir vorstellen, dass ich mich irgendwann mehr mit künstlerischen Positionen befasse, zurzeit begegnet mir eher zufällig etwas.
Warum arbeitest du mit Originalen und Fine-Art-Prints?
Für mich sind das zwei unterschiedliche Arten der Begegnung. Die eine ist die Begegnung mit Pflanze und Material, die andere wird zu einer Begegnung mit dem Bild selbst.
Das Original entsteht im Ecoprint-Prozess und bleibt auch danach Teil eines Prozesses. Die Farben verändern sich, das Papier altert. Es macht Zeit und Vergänglichkeit sichtbar. Und das Unvorhergesehene hat hier seinen Platz, denn ich bin nur Ko-Autorin. Pflanzen, Material und der Prozess selbst schreiben das Bild mit. Meistens gestalte ich deshalb aus dem Moment heraus, intuitiv, ohne viel nachzudenken.
Ausgewählte Originale scanne und bearbeite ich. Dann verschiebt sich meine Rolle und ich werde aktive Gestalterin. Ich entscheide, ob und wie weit ich ein Bild bearbeite. Kontraste, Farbigkeit, Komposition. Außerdem zeigt mir der Scan das Bild noch einmal neu. Durch Ausschnitte und Vergrößerungen entdecke ich immer wieder Strukturen und Elemente, die mir im Original verborgen geblieben sind. Manche Fine-Art-Prints entstehen erst aus diesem zweiten Sehen. Die Fine-Art-Prints sind für mich eigenständige Bilder. Bilder mit einer Vorgeschichte, aber nie eine bloße Reproduktion des Originals.
So entstehen zwei unterschiedliche Arbeiten. Die eine – analog, intuitiv, offen – bleibt im Wandel. Die andere – digital, reflektiert, entschieden – hält einen Augenblick fest und bewahrt diesen.
Wie entwickelt sich deine Arbeit weiter?
Die Fragen verändern sich – und mit ihnen mein Zugang zum Ecoprint. Als ich anfing, stand das Ergebnis, das schöne Bild, im Mittelpunkt. Und die Frage, was ich tun muss, um schöne Ergebnisse zu bekommen.
Heute interessiert mich immer mehr, was im Prozess selbst geschieht. Auch, wie ich experimenteller arbeiten kann. Und ich nehme Fragen ernst, die scheinbar gar nichts mit Ecoprint zu tun haben, aber trotzdem auftauchen. Die sich aus meiner Beschäftigung z.B. mit Jacques Derrida ergeben oder dem „Clean Space“ (entwickelt von dem Therapeuten David Grove).
Dass bei all diesen neuen Fragen weiterhin schöne Bilder entstehen, nehme ich dankbar an.
Die Fragen wurden von einer KI gestellt. Die Antworten kommen von mir. Hast du auch Fragen? Schreibe sie mir hier
Und was gibt es sonst?
Zwei Bücher aus dem Geissler Verlag möchte ich hier vorstellen – beide auf unterschiedliche Art mit meiner Arbeit verbunden.
Im ersten, einem kurzweiligen und informativen Buch über Pflanzen, wird im Kapitel „Pflanzen in der Kunst“ die Ecoprint-Technik mit Bezug auf meine Arbeit vorgestellt.
Im zweiten Buch „Zauber der Berufung“ öffnet sich ein persönlicherer Raum – ein Porträt über mich, dass meinen Weg zum Ecoprint als berufliche Praxis nachzeichnet.
Ausstellungen und Award
Ich freue mich, dass ich für das Bild „Happening“ den Bronze Award gewonnen habe.
August 2024, SwissArt Expo, Zürich, Schweiz
Juni 2024 Casa del Arta, Palma, Spanien






